Hochsensibel - Was ist das?

 

Blitzinfo:
Hochsensible Menschen nehmen mehr Reize auf als andere Menschen. Dies tun sie mit hoher Intensität und langem Nachhall. Dadurch verarbeiten Sie mehr Input als andere. Demnach sind sie schnell und häufig überstimuliert. Dies impliziert Dauerstress, der langfristig schlicht gesundheitsschädigend ist.

Forschungsergebnisse belegen, dass gut jeder sechste Mensch, unabhängig von Geschlecht oder Kultur, die hochsensible Disposition besitzt. Hochsensibilität wird vererbt, das heißt es ist eine Eigenschaft mit der man geboren wird. Es ist also weder eine Störung noch eine Krankheit.

 

Hochsensible Menschen haben ein ‚durchlässigeres‘ Nervensystem als andere Menschen: Sie nehmen mehr innere und äußere Reizeauf und verarbeiten diese komplexer und tiefgründiger.

Sie (er)leben sehr intensiv und ihre hohe Reizempfänglichkeit kann alle Sinne betreffen: Ihr Alltag ist geprägt von mehr sehen, riechen, hören, schmecken, spüren und fühlen. Sie nehmen auch Stimmungen, Befindlichkeiten und unausgesprochene Erwartungen anderer Menschen, die ‚in der Luft liegen‘, sofort wahr und räsonieren meist stark. Meist machen sich HSP viele (sorgenvolle) Gedanken. Die hochsensible Wesensart kann sich in mehreren dieser Bereiche oder auch nur in einem zeigen.

Da Erfahrungen eines HSP zudem länger nachhallen, muss das HSP-System eine starke Grundbelastung verarbeiten. Entsprechend befinden sich Hochsensible schnell und häufig im Zustand der Reizüberflutung und Überforderung. Dies impliziert Dauerstress, was langfristig schlicht gesundheitsschädigend ist.

„Unsere heutige Welt ist nicht gemacht für Hochsensible“:

Verstärkt wird dieser chronische Stress durch unser heutiges Leben, dass, privat wie beruflich, geprägt ist von immer höherem Leistungsdruck und uns alle mehr denn je fordert. Hochsensible sind dem Stress, der Hektik, dem Druck und den oftmals unmenschlich anmutenden Anforderungen unserer Gesellschaft meist nicht gewachsen. Ihre Werte, ihr Anspruch, ihre Sehnsucht gehen in eine andere Richtung. Dies ist auch der Grund warum die Hochsensibilität heutzutage mehr zum Vorschein kommt. Es gab diese Menschen schon immer, jedoch waren die Lebensbedingungen reizarmer.

Forschungsergebnisse belegen, dass gut jeder sechste Mensch, unabhängig von Geschlecht oder Kultur, die hochsensible Disposition besitzt. Hochsensibilität wird vererbt, das heißt es ist eine Eigenschaft mit der man geboren wird. Es ist also weder eine Störung noch eine Krankheit.

Hochsensibel zu sein ist eine Eigenschaft neben anderen Eigenschaften der Persönlichkeit. Gewisse Charaktereigenschaften trifft man auffällig oft bei Hochsensiblen an. Diese sind jeweils individuell ausgeprägt und unterschiedlich intensiv. Das heißt, je nach Ausprägung und Intensitätsgrad kann Hochsensibilität eine mehr oder weniger prägende Charaktereigenschaft sein. Demnach durchdringt diese die gesamte Persönlichkeit in unterschiedlichem Maß. Hinzu kommt natürlich die individuelle Lebenserfahrung, die beeinflusst inwieweit die hochsensible Veranlagung vornehmlich als Gabe oder als Dauerstress erfahren wird.

 

Wesentlich zu verstehen ist folgendes:

Auch wenn Hochsensibilität angeboren ist, sind es beeinflussbare Faktoren, die entscheiden, welche Gesichter der hochsensiblen Art sich im Leben vorwiegend zeigen:

-          Das Gesicht von Last / Dauerstress:
Erschöpft, überfordert, angestrengt, ängstlich, ‚falsch‘, resigniert, zurückgezogen, (passiv) aggressiv, verletzt, gemobbt …
oder

-          das Gesicht von Gabe / ‚innerem Reichtum‘:
kreativ, intensiv genießend (insbesondere die kleinen Dinge des Lebens), hohe soziale Kompetenz, ungewöhnliche Ideen, einfühlsam und mitfühlend (auch sich selbst gegenüber!), vernetzt denkend und fühlen, intuitiv,  … .

 

Schon immer ‚anders‘ – Vielfühler & Vieldenker, Zartbesaitete …

Nimm dir nicht immer alles so zu Herzen. Nun stell dich doch nicht so an! Du bist viel zu sensibel. Du musst dir ein dickeres Fell zulegen. Reiß‘ dich mal zusammen. Nur die Harten kommen in den Garten. Du muss dich abhärten. Du legst auch alles auf die Goldwaage. Musst du immer gleich heulen? Du bist viel zu emotional. Mimose. Warum bist du nur so?

Unter Sätzen wie diesen haben viele Hochsensible seit Ihrer Kindheit gelitten. Sie haben das Gefühl, alle anderen kommen besser klar als sie selbst. Sie sind ‚anders‘, wobei sie ‚anders‘ oft mit ‚falsch‘ gleichgesetzt haben. Hieraus erwächst meist ein bröckelnder niedriger Selbstwert, der permanent erhöht und aufgewertet werden ‚muss‘: HSP strengen sich über alle Massen an, um dieses ‚anders bzw. falsch sein‘ wett zu machen und wenigstens durch Leistung, durch etwas besonders gut zu machen, mit den Normalsensiblen in der Gesellschaft mithalten zu können. Sie entfernen sich so stets mehr von sich selbst, was u.a. in wenig Zugang zu Körper, Gefühlen und eigenen Bedürfnissen und Werten resultiert.

 

Ein paar typische hochsensible Herausforderungen & Unterstützungsansätze

  1. Überstimuliert, überfordert und damit angespannt
    = U.a. Wahrnehmungsschulung, Spannungs- und ggf. Belastungsabbau, ‚mutige‘ Selbstfürsorge mit dem langfristigen Ziel sich im individuellen Wohlfühlbereich bewegen zu dürfen und sich nicht mehr mit dem Dauerstress abzufinden, der meist
  2. zur Achterbahnfahrt der Über- oder Unterstimulierung führt.
  1. Taumel zwischen rigiden Grenzen und Grenzenlosigkeit.
    =  Grenzen überhaupt kennenlernen, Abgrenzung, Kommunikations- und Konflikttraining.
  2. Sich im Außen verlieren mit wenig oder keinem Kontakt zu sich selbst
    = Erdung, Zentrierung und von dort aus offen auf Menschen zugehen.
  3. Umgang mit starken Gefühlen
    = U.a. zu den Bedürfnissen vordringen im Gefühlskern.
  4. Wenig Drucktoleranz aufweisen
    =  siehe 1. und Selbstorganisation.
  5. Unkenntnis der eigenen Bedürfnisse; keine Traute diese ernst zu nehmen.
    = Eigene Bedürfnisse kennenlernen, sie mutig ernst nehmen und mehr im Einklang mit Ihnen leben; hier geht es auch oft um passende Beziehungsgestaltung.
  6. Wenig Bezug zu Körper / Gefühlen
    = Körper und Gefühle als Verbündete und Wegweiser entdecken und nutzen.
  7. Zu viel Aktivität & zu wenig Ruhe/Erholung
    (kann ggf. auch ins Gegenteil kippen zu Rückzug und Schonhaltung!)
    = Die Balance der beiden Pole Ruhe und Aktivität mutig und ehrlich ausloten und anpassen.
  8. Sich falsch fühlen mit dem eigenen Selbstwert im Keller
    = beginnt mit dem Erkennen und Akzeptieren der eigenen HS und endet beim in den Alltag integrierten konstruktiven Umgang.
  9. Die Latte sehr hoch legen, geringe Fehlertoleranz, Perfektionismus
    = einen hohen Anspruch an sich und andere als einen Aspekt der hochsensiblen Art akzeptieren und diesen gleichermaßen liebevoll anpassen lernen an „gut ist besser als perfekt“.
  10. Nicht den richtigen Platz im Leben finden (privat und/oder beruflich)
    = Lebensgestaltung (Umgang mit sich selbst, Umstände, Gewohnheiten …) mutig und behutsam auf die hochsensible Wesensart ausrichten.
  11. Angst vor Ablehnung/Zurückweisung
    = liegt meist begründet im ‚sich anders und falsch‘ fühlen; der erste Schritt in Richtung Abmilderung dieser Angst geschieht durch das Erkennen, Akzeptieren und Annehmen - durch ein verinnerlichtes Wissen - um die eigene hochsensible Wesensart; dem folgt das Selbstmanagement und dessen Integration.

Schließlich kann man das eigene Potential Schritt für Schritt mehr und mehr leben J.

Achtung! Erworbene hohe Empfindlichkeit - Traumatisierung

Im Zusammenhang mit dem Erkennen von HS möchte ich folgendes anmerken: Im Gegensatz zur veranlagungsbedingten HS kann durch eine Traumatisierung oder durch psychische oder körperliche Krankheiten eine erhöhte Empfindlichkeit entstehen. Diese hat teilweise ähnliche Merkmale wie beispielsweise Schreckhaftigkeit, innere Unruhe, Reizbarkeit, starke Empfindlichkeit, mehr oder weniger permanente Anspannung und auf Habachtstellung.

Im Gegensatz zur angeborenen hochsensiblen Art fehlen hier jedoch die typischen Merkmale wie, um nur einige zu nennen, die feine Wahrnehmung, die Tiefe der Verarbeitung bei jedwedem Erleben, das ausgeprägte Einfühlungsvermögen, die Kreativität. Das Fühlen beschränkt sich auf negative Emotionen, die hohe Wachsamkeit ist nicht durchgängig anwesend.

Natürlich kann eine angeborene und veranlagungsbedingte HS durch Traumata und Erkrankungen verstärkt werden.

 

Grundsätzlich rate ich dazu, sich nicht nur an Tests zu orientieren beim Aufnehmen der Spur der Hochsensibilität. Darüber hinaus sollte man unbedingt die Spur weiter verfolgen; und die Spürnase in der Literatur und / oder in Gesprächen aufspüren lassen, ob die hochsensible Art stimmig ist.

Auf der neuen Seite wird es Reflexionsfragen, Büchertipps und Links zu anderen hochsensiblen Webseiten zum Stöbern und zur Inspiration geben.

 

WEN UNTERSTUETZEN WIR?

  • (Potentiell) Hochsensible:
    Einzelpersonen, Familien & Paare,
    die Kompetenz im konstruktiven Umgang mit Stress und Hochsensibilität aufbauen und dies im Alltag handhaben wollen.
  • Mein Fokus liegt auf der Arbeit mit Hochsensiblen. Gleichermaßen verstehe ich mich als verbindende Brücke zwischen Hochsensiblen und Normalsensiblen, denn nur im Miteinander kann Beziehung und Alltag gelingen und befrieden.
  • (Potentiell) Normalsensible Menschen, die in privater oder beruflicher Beziehung stehen mit einem Hochsensiblen.
  • Alle an Hochsensibilität und Stress Interessierten.